MelanCHolie in Europa: Licht in das dunkle

Übel bringen!

 

Gottfried R. S. Treviranus

 

Depressionen bedingen in Wohlstandsländern bald die schlimmste Krankheits-Last und werden selbst in diesen erstaunlich ungenügend angegangen.

Die verstärkte Ausgrenzung von Menschen in Europa verursacht nicht nur unnötiges Leid, sondern gerade auch durch Depressionen Mutlosigkeit und „Kosten“. Es ist Zeit, neue Ziele zu setzen!

 

Mittiges Paradies mit Wolken

 

Depressionen ziehen in der Gesellschaft speziell auch Mediziner-Innen*) intensiv in Mitleidenschaft. Auf der europäischen Kreuzung Schweiz herrschen zwar, was die Befindlichkeit der Bevölkerung und Finanzierung der Depressions-Eindämmung angeht, einmalig günstige [1,2] Zustände: Die Dichte an (überalterten [3,4]) PsychiaterInnen ist die OECD-höchste und „Die grosse Mehrheit der Bevölkerung empfindet“, so sagt sie [5], „sehr viel häufiger positive Gefühle». Und doch: «18% (...) weisen Symptome einer mittleren (13,4%) oder hohen (4,6%) psychischen Belastung auf.“ Zudem: „6% der Männer und 7% der Frauen litten 2012 an einer mittleren bis schweren (…) Major Depression.“ Die Depressionen haben wenig zugenommen, doch die Suizide haben sich durch die assistierten fast verdoppelt [1,6].

Dürfen wir dies so hinnehmen? Und wo, wenn nicht in der Schweiz, könnte man sich auf allen Ebenen erfolgsversprechend zusammentun, um dieses „Übel“ auf neue Weise anzugehen? Der „Standortvorteil“ wäre beachtlich, ein „Return On Investment bis zu 4“ bei 1300 CHF Kosten pro Nase [7] attraktiv, die Erkenntnisse durch Depression blieben erhalten. Aber eben, reden wir überhaupt darüber? und wenn wir darüber reden, worum geht es dann eigentlich? Vor allem um Fakes zur Wahrung von oft vorgeblichen Partikular-Interessen, die weiterhin ungeklärt sind?

Aus den Global Burden of Disease-Daten [8] lässt sich für Länder Europas ablesen, dass es bei der bisherigen Verbesserungsrate „lange bis nie“ dauern würde, um Depressionsraten auf ein Zehntel der heutigen zu bringen.

 

 

Nicht nur Widrigkeiten verursachen «sozio-psycho-neuro-endokrino-infektio-immuno-logisch» [9,10,11] Depressionen als eine evolutionäre Bremse des kostspieligen Aufbegeh-rens, sondern auch weitere medizinische Gründe. Was zur Eindämmung der Depression nötig wäre, wird zum guten Teil gewusst, aber, ideologisch verfälscht und fragmentiert, nur ungenügend umgesetzt. «Swiss Big Pharma» hat die Depressionen via zickige[12], Stamm-zellen [13,14] zwar wieder angegangen, wird jedoch bald selber depressiv [15,16].

 

Depressions-Freiheit stärkt Frauen-Ermächtigung

 

Lebensjahre die proportional "zur Beeinträchtigung" geschmälert wurden, sog. DALYs [17] beleuchten, dass im Vergleich zu den Nachbarn und Griechenland (GR) die Schweiz fast so gut wie Österreich dasteht, aber es in beiden Mädchen schlechter geht.

 

 

Schweizerinnen bezeichnen sich zudem auch als um einige Prozente nervöser, niederge-schlagener und entmutigter als die Männer [18].

 

Psychisches Wohlergehen und Gewalt gegen Frauen und Mädchen stehen momentan auch im Zentrum der WPA und WHO [19,20]. Die hierfür zentralen Diskurse der Frauenbewegung sind in den reichen Ländern, was nicht primär psycho-soziale Aspekte angeht, leider besten-falls «anti-medikalisierend» oder erfreulicherweise «pro-LGBT*QIA» [21] unterwegs, aber gehen den Versorgungsfragen bei Depression aus dem Weg.

 WPA World Psychiatric Association www.wpanet.org - WHO World Health Organization

 

Antidepressiva machen Hyperthyme wütend

Die Unbeliebtheit der Antidepressiva ist auch dem Unverständnis für die Studienmethoden geschuldet [22; S.4]. Die Stimmung Depressiver bessert sich verlässlich [23]. Jeder 3. unter Antidepressiva profi-tiert von einer Rückfallvermeidung [24,25], bei Anpassungen sicher mehr: obgleich Muster zerpflückt werden, hofft man, das teuer statistisch zu erhellen [26]. Depressive interessiert das «Mehr» an Genesung gegenüber dem Spontanverlauf unter «Placebo»: es liegt, unter Verdünnung der traurigen Stimmung durch Unspezifisches gemessen, nicht bei 20%, sondern bei 1,67-mal [27,28,29], gemäss der wichtigsten Meta-Analyse [30]. Depressive mit affektiven Temperamenten [31] «switchen» unter Antidepressiva in Verärgerung [32,33], was sich auch auf ihre Bewertung von Antidepressiva oder von «Persönlichkeitsstörungen» auswirkt, hinter denen sich, oft unbehandelte «mehr subkortikale» affektive Temperamente oder mehr Biographisches [34] verbirgt.

 

Rechtzeitige Behandlung durch schrecklich vereinfachende Studien vereiteln?

Die deutsche «S3-Leitlinie» [35] zitiert zu „leichten“ Depressionen eine valable Studie [36]. Gerade die früh eingenommen doppelt wirksame Therapie [37,38,39] ruiniert aber das saftige Langzeit-Geschäft, was Gewinnakteure honorieren. Wie aber bezeichnet trotz dieser Sach-lage die Presse Antidepressiva bei leichten Depressionen? Als zuviele "übelkeits"erregende nutzlose «Placebos» [40]! Genau von diesem «Sissi-Syndrom», den oft durch Hypomanes maskierten "leichten" Depressionen [41] her, wurde der Angriff der IV-Revision 6 auf die Berentungsrechte als Plagiat [42,43,44,45] aufgegleist. Die psychiatrie-kritische Linke hat hier unglückliche Vorarbeit geleistet.

Die trotz Nationalfleiss [46] schändlich schwache Wiedereingliederung wurde mittels des «Burnout»-Labels den Arbeitgebern zugeschoben. Erst jetzt dürfen diese «Gebrannthaben-den» auch hypoman-überaktiv genannt werden [47,48]. Lege artis würde bei Depression immer nach Bipolarität bei ca. 1:5 gefahndet [49], denn Antidepressiva sind hier riskant [50].

Kinder dürften unter dem BAG-offiziellen Weglassen der Bipolarität [54], die bereits bis 18 J. mit 1,8% schweren Fällen vorkommt [51,52], leiden [53] - oder versterben: so auch am Desinte-resse an der „SCT/Konzentrations-Störung“, die sich hinter 4/5 der ADHS ohne Hyperaktivität verbirgt und mit kurzen Schlaf- und krassen Depressionseinbrüchen einhergeht [54].

Schreckliche Vereinfachungen nicht ganz einfacher Zusammenhänge [55] durch ausgewiesene Fachleute setzen Korrelation [56] ohne Moderation durch Grundlagen-Einsichten [59,60,61] als Kausalität [57,58]. Für die wirksame kombinierte [62] Sozio-, Pharmako- und Psychotherapie [63,64,65] mit «Therapieresistenten» bezeugen sie wenig Verständnis.

Klärungen für uns und die Heranwachsenden [66] tun not. Die seit 2004 bestehende «Europäische Depressions Assoziation» [67] trägt hierzu bei.

Kasten: Europäische Depressions Assoziation Schweiz: Ein erstmaliger dreisprachiger Informations- und Diskussions-Anlass findet am Sonntag 21.10.2018 in der Casa d’Italia in Bern statt. Ein weiterer zum World Bipolar Day am 30.03.2019. Details siehe www.eudepras.ch

*) Der Beitrag wurde für die "Schweizerische Ärztezeitung" verfasst. Deren Redaktion hat sich jedoch leider gegen dessen Veröffentlichung entschieden: wegen seiner "Unverständlichkeit", aber auch wohl wegen seines Inhalts - da selbst bei vollständiger Überarbeitung "mit Co-Autoren" dessen Veröffentlichung betont offen gelassen wurde.

Literaturangaben:

  1. Schuler D et al. Psychische Gesundheit in der Schweiz. NE: Obsan. 2016; 72.

  2. Barben J. Quo vadis bezahlbare Medizin?* Schweiz Ärzteztg. 2018;39:1332-5

  3. Barben D. «Bald wird es zuwenig Psychiater geben». Der Bund;10 Sep 2018:15

  4. Kuhn D. Fehlen bald tausend PsychiaterInnen? Woz;26 Feb 2015:9.

  5. Bundesamt für Statistik. Schweizerische Gesundheitsbefragung. Taschenstatistik 2017.

  6. Richter D, Berger K. Nehmen psychische Störungen zu? (...).Psychiatr Prax. 2013;40:176-82.

  7. Maercker, A al. The costs of disorders of the brain in Switzerland: (...). Swiss Med Wkly. 2013;143:w13751

  8. IHME. Global Burden of Disease.

  9. Maes M (2011) Depression (…) cell-mediated immune activation is the key (...). Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 35:664–75

  10. Pereira LP et al. Imaging genetics paradigms in depression (...). Prog Neuropsychopharm Biol Psychiatry. 2018;86:102-13.

  11. Najjar S, et al. Neurovascular unit dysfunction (...) major depressive disorder: (...). J Neuroinflamm. 2013;10:142.

  12. Ihry RJ, et al. p53 inhibits CRISPR-Cas9 engineering in human pluripotent stem cells. Nat Med. 2018;24:939-46.

  13. Breen G, et al. Translating genome-wide association (…) for psychiatry. Nat Neurosci. 2016;19:1392-6.

  14. Sun Y, Dolmetsch RE. How induced pluripotent stem cells are informing drug discovery in psychiatry. Swiss Med Wkly. 2016;146:w14241.

  15. Müller A. Big Pharma braucht ein Potenzmittel. Sonntagszeitung;2018;30 Sep:38-9

  16. Stott K. Pharma`s broken business model. Part 1: (...). [www.catalyticds.com].

  17. IHME. Global Burden of Disease compare.

  18. Bundesamt für Statistik. Gesundheitsstatistik 2012. G27 Gemütszustand. & Excel.

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  20. WHO. Responding to children and adolescents who have been sexually abused. 2017.

  21. LGBTQ. New York Times.

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  25. Sim K et al. Prevention of relapse and recurrence in adults with major depressive disorder: Systematic review and meta-analyses of controlled trials. Int J Neuropsychopharmacol. 2015;19:1-13.

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  8. M. Richter-Werling. [www.irrsinnig-menschlich.de]

  9. European Depression Association (EDA). EDA Italien.

 

Interessenverbindungen: Keine finanzieller Art. Der Autor fungiert als Schweizer Vertreter für den Verbund der Europäischen Depressions Assoziation.

Korrespondenzadresse: Eudepras (CH) c/o Gottfried Treviranus, FMH Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Vereinsweg 11, 3012 Bern.